Mobile Tafel

Priemern l „Ländlicher Raum“ – ein Begriff, der in der Altmark sehr gerne in den Mund genommen wird. Was passiert mit den Menschen im ländlichen Raum, wie werden sie versorgt, wie kann man Ärzte dorthin bekommen, wie den Bus? Christoph Lenz, Geschäftsführer der Gut Priemern gGmbH hatte sich eine viel existenziellere Frage gestellt – Wie kommen kostenlose Lebensmittel zu bedürftigen Senioren auf dem Dorf?

Seit sechs Jahren ist die gemeinnützige Gesellschaft Träger der Stendaler Tafel. So weiß Lenz recht gut darüber Bescheid, dass zu den vielen Menschen, die an den Ausgabestellen der Tafel stehen, auch sehr viele Senioren gehören, deren Zahl stetig wächst. Die Tafel versorgt die Menschen in Stendal, Tangermünde, Tangerhütte und Osterburg mit kostenlosen Lebensmitteln. Doch viele ältere Menschen hätten eben kein Auto, der Bus fahre nicht mehr ins Dorf oder die Senioren seien körperlich auch gar nicht mehr in der Lage den ÖPNV zu nutzen.

1500 Menschen werden im Landkreis versorgt

Wenn sie also nicht zur Tafel kommen können, dann muss die Tafel eben zu ihnen kommen, so der einfache Gedanke, der sich aber gar nicht so leicht umsetzen lässt. Gespräche hat es schon mit dem Jobcenter gegeben, dort wisse man schließlich, wo die Bedürftigen wohnen. Aber Lenz hofft auf noch mehr Multiplikatoren. Apotheken, die aufs Land Medikamente liefern, die Kirche, die sich um Ältere kümmert und nicht zuletzt die Politik. „Wir hoffen wirklich sehr, dass wir von dieser Seite auch finanzielle Unterstützung, nicht nur Zusagen bekommen“, meinte er. Wir, das heißt in diesem Fall Lenz und Melanie Märtens, die seit 2009 auf Gut Priemern als Sozialpädagogin tätig ist, seit diesem Jahr die Stendaler Tafel leitet.

„Es sind etwa 1500 Menschen im Landkreis Stendal, die von uns Monat für Monat versorgt werden“, nannte sie eine Größenordnung. Eine Zahl, vor der die Politik nicht die Augen verschließen kann. Zumal die Tafel keine staatliche Einrichtung, sondern getragen von dem Idealismus ihrer Organisatoren und Unterstützer ist. Das wird auch bei dem neuen Projekt nicht anders sein. Ideen haben Lenz und Märtens viele, hoffen, dass sie sich mit Spenden auch finanzieren lassen. So müsste für das Ausfahren der Waren ein eigenes Fahrzeug angeschafft werden.

Anfang kommenden Jahres soll es losgehen mit dem Projekt „Mobile Tafel“. Zunächst einmal werden sich die Aktivitäten auf das Gebiet der Hansestadt Osterburg konzentrieren. Ein Gespräch mit Bürgermeister Nico Schulz (CDU) steht noch bevor.

Bis zu zehn Arbeitsgelegenheiten

Lenz ist optimistisch, dass sich daraus eine Zusammenarbeit ergibt. Möglicherweise ließen sich auch Kreissparkassen mit ihren mobilen Außenstellen und der Bücherbus als Werbeträger für die neue Tafel einbinden. Neue ehrenamtliche Kräfte werden dann auch gebraucht. Lenz geht davon aus, dass sechs bis zehn sogenannte AGH-Maßnahmen, Arbeitsgelegenheiten, in Gang gebracht werden können. Was ihm keine Sorgen bereitet, ist der Nachschub an Lebensmitteln. „Davon bekommen wir mittlerweile genug“, freut er sich.